Die Postes d’alerte, vollständig „Postes d’alerte de la frontière est de la Belgique“, übersetzt „Alarmposten der Ostgrenze Belgiens“, waren kleine Baracken, die nahe der belgischen Ostgrenze an Einfallstraßen errichtet wurden, um einen Einmarsch feststellen und melden zu können.
Westlich des Albertkanals bei Lixhe beginnend, befanden sich die Posten entlang der niederländischen, deutschen und luxemburgischen Grenze bis zur französischen Grenze im Süd-Osten Belgiens.
Nahe zwei dieser Postes d’alerte befinden sich jeweils ein „Poste de destruction“, sinngemäß übersetzt „Posten zur Zerstörung“, die jeweils an Bahnlinien gelegen sind. Aufgabe der Besatzung dieser Posten war, bei Feindes-Annäherung eine vorab platzierte Sprengladung an der Gleistrasse zu sprengen, um die Bahnlinie somit unbrauchbar zu machen. Je nach Quelle findet sich auch die Bezeichnung „Poste de deraillement“, sinngemäß übersetzt „Posten zur Entgleisung“, was in Bezug auf die Position ebenfalls plausibel ist.
Die Posten basieren im Allgemeinen auf einem weitestgehend gleichbleibenden Grundriss:
Ein rechteckiges kleines Häuschen aus Backstein und Beton, außen so verkleidet, dass es sich optisch regional einfügt.
Aufgeteilt waren die Gebäude jeweils in einen Hauptraum und auf einer kurzen Seite zwei von außen erreichbare kleine Kammern, in denen sich einereits die Toilette und andererseits der Stauraum für die Kohle für den Kohleofen befanden.
Der Grundriss wurde immer passend zur jeweiligen Lage ausgerichtet.
Auf einer Ecke befand sind jeweils die etwas zurückliegende Eingangstür, wobei diese je nach Ausrichtung des gesamten Grundrisses parallel zur kurzen oder langen Seite lag. Auch der Eingangsbereich davor unterschied sich geringfügig dahingehend, dass teils eine der Wände bis zur Außenecke durchzogen war oder sich lediglich eine Säule an der Außenecke befand.
In den beiden Seiten, die die Eingangstür umfassten, befanden sich jeweils ein Fenster, das teils von außen vergittert und / oder mit Fensterläden versehen war.
Die andere lange Seite war grundsätzlich dem Feind zugewandt und hatte dementsprechend keinerlei Fenster oder andere Schwachstellen. Zudem war diese oft aus Beton und nicht nur aus Backsteinen.
An der feindabgewandten langen Seite befand sich oftmals ein Unterstand für die Fahrräder der Besatzung. Zu diesem Zweck war dort das Dach längergezogen und der Untergrund als Abstellfläche geteert.
Um ihre Funktion als Alarmposten ausüben zu können, waren alle Posten an das Kommunikationsnetz der PFL angeschlossen.
In den Posten befand sich eine Meldeanlage, welche vorgefertigte Nachrichten von „Scheiben“ abspielen konnte.
Je nach Quelle gab es zwei oder vier verschiedene Scheiben bzw. Nachrichten, die so angestoßen werden konnten, dass ohne weiteres Zutun der Besatzung, also auch wenn diese unter Beschuss geriet oder sich vom Posten entfernte, die jeweilige Meldung in Endlosschleife durchgegeben werden konnte.
Eine der Nachrichten war eine Übungsmeldung, die regelmäßig ausgelöst wurde, um die Funktionsfähigkeit zu prüfen und sicherzustellen.
Eine weitere Nachricht war die Meldung, dass die deutsche Armee auf der jeweiligen Straße die Grenze überschritten habe.
In einer Quelle wird als mögliche dritte Nachricht die Meldung benannt, dass feindliche Flugzeuge in den belgischen Luftraum eingedrungen sind.
Zum Inhalt der möglichen vierten Nachricht gibt es keine Informationen.
Die Benennung der Postes d’alerte, abgekürzt mit PA und Postes de destruction / déraillement, abgekürzt PD, erfolgt durch simple Durchnummerierung der Posten von Norden nach Süden, beginnend mit Nummer 0. An mehreren Stellen gibt es einen nahebei liegenden zweiten Posten, welcher dieselbe Nummer mit der Ergänzung „bis“ (lateinisch „zweimal“) trägt.
PA 0 – PA 1 – PA 2 – PA 3 – PA 4 – PA 5 – PA 6 – PA 7 – PA 7bis – PA 8 – PA 9
PA 10 – PA 11 – PA 12 – PA 13 – PA 14 – PA 15 – PA 16 – PA 17 – PA 18 – PA 19
PA 20 – PA 21 – PA 22 – PA 23 – PA 24 – PA 25 – PD 25bis – PA 26 – PA 27 – PA 28 – PA 29
PA 30 – PA 31 – PA 32
PA 50 – PA 51 – PA 52 – PA 53 – PA 54 – PA 55 – PA 56 – PA 57 – PA 58 – PA 59
PA 60 – PA 61 – PA 62 – PA 63 – PA 64 – PA 65 – PA 66 – PA 67 – PA 68 – PA 69
PA 70 – PA 71 – PA 72 – PA 73 – PA 74 – PA 75 – PA 76 – PA 77 – PD 77bis – PA 78 – PA 78bis – PA 79
PA 80 – PA 81 – PA 82 – PA 83 – PA 84 – PA 85 – PA 86 – PA 87 – PA 88 – PA 89
PA 90
Korrekt betrachtet, gehören nur die postes d’alerte 0 bis 32 zur PFL, da sich die Posten ab Nummer 50 in der Provinz Luxemburg und entlang der luxemburgischen Grenze befanden.
Verschiedenen Quellen zufolge, gab es auch weiter im Landesinneren postes d’alerte und postes de destruction, die jedoch nicht derartig systematisch benannt und dokumentiert wurden.
Ein möglicher solcher Posten befand sich im Bereich des centre de résistance Hockai der position avancée.