In allen Verteidigungslinien der PFL finden sich verschiedene Arten von Straßensperren, die Angreifer zusätzlich verzögern und am Vordringen Richtung Lüttich hindern sollen.
Im Französischen werden diese schlichtweg als „obstruction“ bezeichnet, was lediglich „Hindernis“ bedeutet.
Die Sperren befinden sich im Normalfall in Sicht- und Schusslinie vorgelagert vor einem Bunker und wurden jeweils von diesem aus eingerichtet und operiert.
Folgende verschiedene Arten wurden im Rahmen der PFL genutzt:
Obstruction par câbles – Hindernis aus Stahlseilen
Die „Obstruction“ oder auch „barrage par câbles“ bestand aus den „Bornes à câbles“ (zu Deutsch etwa „Kabelklemme“), bei denen es sich um Metallpoller beidseitig am Straßenrand handelt, in welche Stahlseile eingespannt wurden. Diese konnten Panzern natürlich nicht Stand halten, aber jegliches andere Fahrzeug wurde mindestens zum Anhalten gezwungen, wenn nicht gänzlich am Weiterfahren gehindert.
Die Bornes à câbles befanden sich an Straßen entlang der Sichtachse der Schießscharte eines Bunkers. Nahe eines Bunkers standen sie mit etwa 1-2 Metern Abstand doppelt je Straßenseite, sodass mindestens zwei Stahlseile gespannt werden konnte. Zudem gab es an einigen Stellen vorgelagert nochmals ein Paar.
Da die Poller ca. zu 2/3 ihrer Gesamthöhe, etwa 1m tief in der Erde einbetoniert wurden, was die Entfernung zu einem erheblichen Aufwand machte, sind viele bis heute noch am Straßenrand zu sehen.
Auf den Pollern wurde das Kürzel des jeweiligen Bunkers als Relief auf dem Metallkorpus aufgelegt.
Barrière Cointet
Die nach Léon Edmond de Cointet benannte Antipanzer-Straßensperre besteht ebenfalls aus Pollern entlang einer Straße, welche als „Bornes Cointet“ oder kurz „Bornes C“ bezeichnet werden, zwischen die ebenfalls mittels Stahlseilen oder Ketten, große rollbare Hindernisse befestigt wurden. Diese Hindernisse, deren Front eine Höhe von 2,5m hat und die jeweils 1,3T wiegen, werden nach ihrem Erfinder als Cointet-Element, kurz C-Element (franz.: elément Cointet) bezeichnet. Da es so eine Barriere lediglich in Belgien gab, werden die Elemente international auch als „Belgisches Tor“ (franz.: „porte Belge“) bezeichnet. In Belgien war umgangssprachlich auch der Begriff „Eiserne Mauer“ gebräuchlich.
An den meisten Stellen wurden befestigte Bereiche angelegt, auf denen die Elemente bis zu einem eventuellen Einsatz zwischengelagert wurden. Diese werden als „Garage C“ bezeichnet.
Die für die Barrière Cointet verwendeten Poller sind deutlich massiver, als die Bornes à câbles und werden nach oben hin breiter, sodass die befestigten Seile nicht abrutschen können.
Die so errichteten Sperren waren dafür konzepiert, nicht nur einfache Fahrzeug, sondern auch Panzer aufzuhalten.
Oftmals findet sich eine Barrière Cointet zwischen einer Obstruction par câbles und dem dazugehörigen Bunker. Vereinzelt wurden sie auch unabhängig von Bunkern zwischen längeren Abschnitten aus Betonmauern genutzt, um einen überwachten Durchlass verschließen zu können. An einigen Stellen war auch die Sperrung einer Gleistrasse mittels der Elemente beabsichtigt.
Da die Poller ca. zu 3/4 ihrer Gesamthöhe, knapp 2m tief in der Erde einbetoniert wurden, was die Entfernung zu einem erheblichen Aufwand machte, sind auch hiervon heute noch einige am Straßenrand zu sehen.
Obstruction des Trixhes – von wallonisch etwa „Hindernis im Brachland“
Bei dieser Straßensperre liegt ein ca. 1m³ großer, armierter Betonklotz neben der Straße, welche versperrt werden soll. Auf diesen Klotz wurden Führungsschienen eingelassen, auf welchen ein weiterer ebensogroßerer Betonklotz auf einer parallel zur Straße liegenden Metallstange positioniert wurde. Unter der von der Straße abgewandten Seite des oberen Klotzes, wurde eine Sprengladung platziert, welche diesen auf der Stange in Richtung Straße kippte und ihn auf den Führungsschienen auf die Straße leiten sollte. Der Klotz konnte natürlich mit etwas Aufwand vor der Straße geräumt werden, verzögerte aber das Weiterkommen feindlicher Kräfte, sodass die belgischen Kräfte mehr Zeit hatten, sich auf das Aufeinandertreffen mit dem Feind vorzubereiten.
Diese Art der Sperre wurde an Straßen außerhalb bebauter Ortschaften eingesetzt, welche derartig am Hang liegen, dass ein Umfahren des Hindernisses auf beiden Seiten durch die natürliche Geographie verhindert wird.
Derzeit sind uns lediglich zwei dieser Sperren bekannt, eine sogar noch nicht ausgelöst. Eine gehört zu Bunker CS3 der PFL1. Die andere findet sich auf einem abseits der Hauptstraßen gelegenen Waldweg und wird zum Schutz des Forts Fléron (Teil der PFL2) gezählt. -> Link zur Position auf Google Maps.